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Von Leo Bach (lb)

Unter Decke reingeschmuggelt Gladbach-Legende plaudert aus Borussia-Zeit: Sex-Verbot bei den Fohlen

Roland Virkus und Winfried Schäfer im Gespräch.

Im Gespräch am Borussia-Park: Roland Virkus (l.) und Winfried Schäfer (r.) quatschen am 2. September 2022.

Alles geben für den Verein – nach diesem Motto muss dafür zu Hause auch mal zurückgesteckt werden …

Wer Fan von Borussia Mönchengladbach ist, erlebte schon so manche Kuriositäten. Vom Torpfostenbruch, über die legendäre Selbst-Einwechslung Günter Netzers im Pokalfinale bis hin zu geklauten Mannschaftsbussen – langweilig wird es mit den Fohlen nie. Eine waschechte Borussia-Legende plauderte nun aus dem Nähkästchen und fügte der langen Gladbacher Historie eine neue Anekdote hinzu.

Gladbach-Legende Winfried Schäfer veröffentlicht Autobiografie

Winfried Schäfer (75) spielte in zwei verschiedenen Lebensabschnitten am Niederrhein. Von 1968 bis 1970 machte der Mittelfeldspieler seine ersten Schritte auf großer Bühne im Fohlendress, ging dann erst zu den Kickers Offenbach und später zum Karlsruher SC.

1977 kehrte Schäfer nach Mönchengladbach zurück und blieb Borusse bis zu seinem Karriereende 1985. Insgesamt absolvierte er 267 Spiele (22 Tore) für den VfL, gewann die Meisterschaft 1970 und den Uefa-Cup 1979.

Am Mittwoch (2. April 2025) erschien seine Autobiografie „Wildpark, Scheichs und Voodoozauber“ auf dem deutschen Buchmarkt. Darin plaudert Schäfer aus seiner Zeit als Trainer und Spieler – und unterhält mit kuriosen Anekdoten.

Trainerlegende Hennes Weisweiler habe den Ex-Profi einst mit den Worten „Winfried, lassen Sie uns doch mal gemeinsam eine Runde um den Block drehen, ich würde gerne etwas mit Ihnen besprechen“, zu einem Spaziergang am Vorabend eines Freundschaftsspiels eingeladen.

Lange Zeit ging es nur um Fußball, ehe Weisweiler das Thema in eine andere Richtung lenkte. „‚Winfried, Sie haben eine Freundin.‘ Es war keine Frage, es war eine Feststellung. Von irgendwoher musste er erfahren haben, dass ich seit kurzem eine Freundin hatte“, beschreibt Schäfer die Szene.

Und weiter: „Ich war irritiert. ‚Ja, Chef‘, muss ich gesagt haben. Wir nannten ihn immer ‚Chef‘. Seine Botschaft klang dann ungefähr so: ‚Gut, Winfried, dann muss ich Ihnen etwas sagen: Wenn am Wochenende ein Spiel ansteht, muss bereits am Mittwoch Schluss sein. Sie verstehen doch, was ich meine?‘ Natürlich verstand ich. Sex am Donnerstag oder gar Freitag, das war vor Liga-Spielen verboten.“

Lange nach Weisweilers Tod 1983 bringt Schäfer mit der Enthüllung sicher den ein oder anderen Gladbach-Fan zum Schmunzeln. Eine Veröffentlichung der Maßnahme noch zu Weisweiler-Zeiten hätte sicherlich für ordentlich Erregung gesorgt – oder besser gesagt, eben gerade nicht. 

Auch aus seiner Zeit als Karlsruhe-Coach – Schäfer trainierte den KSC satte zwölf Jahre (1986 bis 1998) – kann der 75-Jährige mit amüsanten Geschichten aufwarten.

Für das als „Wunder vom Wildpark“ bekannte Rückspiel der 2. Runde im Uefa-Cup 1992/93 gegen den FC Valencia war Schäfer gesperrt. Das Hinspiel hatte der KSC mit 1:3 verloren, das frühe Aus im Europapokal drohte. Dem Coach wurde der Kontakt zur Mannschaft unmittelbar vor dem Spiel untersagt, doch Schäfer fand einen Weg.

So schreibt die Fohlen-Legende: „Dass ich mich trotzdem kurz vor Anpfiff unter einer Decke versteckt in die Kabine schmuggeln ließ, dass ich den Ordnern heimlich Zettel mit Anweisungen zusteckte, die sie dann auf die Trainerbank schmuggelten, darf ich jetzt, mit so großem Abstand, vielleicht gestehen: Ich wollte die Mannschaft unbedingt noch einmal heiß machen und letzte Anweisungen an den Staff geben, wenn ich schon nicht an der Seitenauslinie herumtanzen durfte, wie es sonst meine Art war.“

Die Versteck-Aktion zeigte Wirkung: Karlsruhe gewann das Heimspiel eindrucksvoll mit 7:0. Erst im Halbfinale war gegen Austria Salzburg dann Schluss mit dem Europa-Traum.

Von einem Sex-Verbot oder Schmuggelaktionen des Trainerteams ist bei der heutigen Fohlen-Elf nichts bekannt; das Fußballgeschäft im vergangenen Jahrtausend ging dann doch nochmal anders zur Sache. Heute ist Schäfer als Berater beim Verband Ghanas tätig – und was er von Mittwoch bis Sonntag im Privaten treibt, ist nur ihm selbst überlassen.